Wertschätzung der Mitarbeitenden: So geht Anerkennung

Mitarbeitenden-Wertschätzung ist mittlerweile ein wohlbekanntes Schlagwort in den meisten deutschsprachigen Unternehmen. Und in der Theorie steht sie bei der HR und Führungskräften seit Jahren ganz weit oben auf der Agenda.

So reagierten bereits 2016 im Rahmen einer Studie der Rochus-Mummert-Gruppe 97% der befragten Personalverantwortlichen mit «ja» oder «eher ja» auf die Frage: «Glauben Sie, dass Unternehmen mit einer klaren normativen Haltung zur Wertschätzung die erfolgreicheren Unternehmen sind?» Für 72% der Befragten gehörte Wertschätzung zumindest weitgehend zur Leitkultur (Schlipat & Martin, 2018).

Und doch zeigt eine EY Jobstudie (2019), dass sich letztendlich nur 60% der Mitarbeitenden am Arbeitsplatz ausreichend wertgeschätzt fühlen. Theorie und Praxis decken sich also nicht unbedingt.

Denn in der Realität des hektischen Unternehmensalltags geht so ein «Soft Skill» des Führungsstils schnell mal unter – meistens zum langfristigen Nachteil von Arbeitnehmenden und Arbeitgebenden. Du möchtest es anders machen, begeisterte und leistungsstarke Mitarbeitende haben, mehr Bindung schaffen und eine gute Unternehmenskultur kreieren?

Das ist kein Hexenwerk – aber einige wichtige Konzepte gibt es zu beachten. Beim Weiterlesen erfährst du, was Mitarbeitenden-Wertschätzung wirklich ist, wie du sie förderst und wie du eine allgemein wertschätzende Kultur in deinem Unternehmen umsetzen kannst.

Warum der Hype um Mitarbeitenden-Wertschätzung?

Die Macht-Verhältnisse zwischen Arbeitgebenden und Arbeitnehmenden haben sich in den letzten Jahren um 180° gedreht. Nicht nur gibt es zu wenige Absolventen in wachsenden Branchen wie Informatik und Technik, der zunehmend globalisierte Jobmarkt bietet auch eine immer grössere Auswahl an attraktiven Arbeitsplätzen (Busold, 2019).

Im dadurch entstandenen «War for Talents» (Busold, 2019) kämpfen Unternehmen täglich um qualifizierte Mitarbeitende. Es wird rekrutiert und abgeworben, wo es geht. Und um selbst keine Fachkräfte zu verlieren, müssen sich Unternehmen auch verstärkt mit Massnahmen der Mitarbeitenden-Bindung befassen.

Eine der besten Garantien, um Mitarbeitende zu behalten? Mitarbeitenden-Wertschätzung. So zeigte beispielsweise die oben genannte Rochus-Mummert-Studie, dass sich in Deutschland immerhin 3 von 4 Mitarbeitenden noch 1 Jahr nach Ihrer Einstellung am Arbeitsplatz wohlfühlen. Ist die gegenseitige Wertschätzung Teil der Unternehmenswerte und Normen, steigt die Wohlfühlquote auf über 90%.

Vorteile von Mitarbeitenden-Wertschätzung

Wie gesagt: Die derzeitig hohe Fluktuation und Wechselbereitschaft führen dazu, dass Unternehmen zunehmend Ressourcen investieren, um herauszufinden, wie sie qualifizierte Mitarbeitende an sich binden können. Die regelmässige und authentische Mitarbeitenden-Wertschätzung ist dabei ein extrem wirkungsvoller Lösungsansatz. Allein das reicht schon, um sich mit diesem Konzept näher zu befassen. Doch es gibt noch viele weitere grossartige Vorteile, die die Mitarbeitenden-Wertschätzung mit sich bringt. Hier einige davon:

Mehr emotionale Bindung

Mitarbeitende vom Bleiben zu überzeugen, ist schön und gut. Doch wichtig ist nicht nur die physische Anwesenheit, sondern vor allem die emotionale Bindung und langfristige Loyalität von Mitarbeitenden. Inwiefern die emotionale Bindung von Arbeitnehmenden für Unternehmen von Interesse ist, zeigen unzählige Studien. So wurde beispielsweise 2019 beim Gallup Engagement Index Deutschland (Wolter, 2019) festgestellt, dass bei einer hohen emotionalen Bindung 40% weniger Qualitätsmängel entstehen. Gleichzeitig weisen von 100 Mitarbeitenden jedoch nur durchschnittlich 15 Personen eine hohe emotionale Bindung zu ihrem Unternehmen auf. Es ist also definitiv noch Luft nach oben!

Engagement & Produktivität steigt

Wertschätzung fördert unseren Drang nach Selbstverwirklichung bei der Arbeit. Werden wir als wichtiger Teil des Unternehmens anerkannt, können wir uns besser mit diesem identifizieren und haben insgesamt ein gestärktes Selbstwertgefühl.

Das führt dazu, dass wertgeschätzte Mitarbeitende motivierter an schwierige Aufgaben herantreten. Wird das Engagement und die Arbeitsleistung anerkannt, entsteht ein positiver Kreislauf aus Wertschätzung und gesteigerter Leistungsbereitschaft. Befragungen der SHRM (Society for Human Resource Management) zeigen sogar, dass 78% der Mitarbeitenden produktiver arbeiten, wenn sie Anerkennung bekommen (Qualtrics).

Gerade Unternehmen, die bei ihren Mitarbeitenden auf ein hohes Mass an Eigeninitiative und Innovation angewiesen sind, sollten einen starken Fokus auf eine wertschätzende Kultur legen.

Glücklichere und gesündere Mitarbeitende

Dieser Vorteil ist ebenso offensichtlich wie wichtig! Mitarbeitenden-Wertschätzung führt zu mehr Entspannung, einem geringeren Depressionsrisiko und einem allgemein höheren Wohlbefinden. Durch die Wertschätzung werden unzählige «gute» Hormone wie Dopamin oder Oxytocin ausgeschüttet, die zu einem deutlich höheren Wohlbefinden und gesteigerter Leistungskraft führen (Weber).

Der Gallup Engagement Index Deutschland (2019) liefert dafür handfeste Zahlen: Laut der Studie führt eine normative Mitarbeitenden-Wertschätzung im Unternehmen zu 70% weniger Arbeitsunfällen und 41% weniger Abwesenheiten.

Mehr Weiterempfehlungen

Vielleicht weisst du schon, wer deine effizientesten Recruiter:innen sind. Falls nicht, hast du einen Grund mehr, dich über deine Mitarbeitenden zu freuen. Bereits beiläufige Weiterempfehlungen von Arbeitnehmenden sind durch ihre natürliche Authentizität extrem wertvoll und können zu einem Zufluss an qualitativen Bewerbungen führen. Dahingegen können Sie sich den Mund fusselig reden über tolle Werte, Benefits und Karrierechancen – und werden nicht einmal halb so viel Eindruck schinden.

Was das mit Mitarbeitenden-Wertschätzung zu tun hat? Die Robert-Mummert-Gruppe (2016) konnte zeigen, wie die Anerkennung am Arbeitsplatz positiv mit der Weiterempfehlungsquote von Mitarbeitenden korreliert. In anderen Worten: Je mehr sich Mitarbeitende wertgeschätzt fühlen, desto eher empfehlen sie das Unternehmen als Arbeitgeber weiter. Wir sagen: Ein grossartiger Nebeneffekt von Mitarbeitenden-Wertschätzung!

Was bedeutet Mitarbeitenden-Wertschätzung (nicht)?

Um die oben aufgezählten Vorteile zu ernten, muss Wertschätzung natürlich auch «richtig» implementiert werden. Dass ein «Danke» beim Vorbeihuschen an der Kaffeemaschine noch nicht ausreicht, um von Mitarbeitenden-Wertschätzung zu sprechen, ist den meisten Unternehmen glücklicherweise klar.

Und doch hapert die Umsetzung häufig am Verständnis davon, was dieser aufgeladene Begriff «Wertschätzung» überhaupt bedeutet. Viele Unternehmen, die gerne Wertschätzung zeigen (würden), denken ausschliesslich in Form von monetären Belohnungen für erbrachte Leistungen. Doch bei Mitarbeitenden-Wertschätzung geht es weder um Boni noch um ein Leistungslob!

«Wertschätzung betrifft einen Menschen als Ganzes, sein gesamtes Wesen. Sie ist unabhängig von Taten oder Leistungen, auch wenn diese die subjektive Einschätzung der Wertschätzung beeinflussen. Wertschätzung ist verbunden mit Respekt, Wohlwollen und Anerkennung.» (Mai, 2021)

Du solltest also Susanne Wertschätzung entgegenbringen, weil sie es geschafft hat, durch ihr Projekt viele Arbeitsabläufe im Unternehmen zu automatisieren. Du solltest jedoch auch das Gespräch mit Heiko suchen, denn er ist nun seit über 10 Jahren im Unternehmen und sorgt durch seine Loyalität und seine sonnige Persönlichkeit immer für ein tolles Arbeitsklima in seiner Abteilung.

Achtung: Mitarbeitenden-Wertschätzung ist kein billiger Ersatz für eine gute Bezahlung und materielle Benefits! Diese Aspekte sind nach wie vor wichtig – und für qualifizierte Mitarbeitende im aktuellen Arbeitsmarkt eine Selbstverständlichkeit. Mit anderen Worten: Wenn die Bezahlung nicht stimmt, ist unserer Erfahrung nach meist Hopfen und Malz verloren. Da hilft auch keine Mitarbeitenden-Wertschätzung mehr. Doch um wirklich herauszustechen und qualifizierte Fachkräfte zu begeistern und zu halten, braucht es eben beides.

Wertschätzung zeigen: wie, wann, was?

Ok, jetzt hast du einen ersten Eindruck zu Mitarbeitenden-Wertschätzung bekommen. Jetzt geht’s ans Eingemachte. Im Folgenden erfährst du, wann und wie du Wertschätzung am besten zeigst und was Mitarbeitenden dabei besonders wichtig ist.

Der richtige Zeitpunkt für Mitarbeitenden-Wertschätzung

Vorab: Einen schlechten Zeitpunkt für Mitarbeitenden-Wertschätzung gibt es in der Regel nicht. Andersherum gibt es aber durchaus Zeitpunkte, an denen die explizit gemachte Anerkennung durch Führungskräfte besonders wichtig ist. Unserer Erfahrung nach hat die Umsetzung der folgenden Tipps die grösste Wirkung:

Sofortige Wertschätzung
Ein Auftrag wurde gut erfüllt, die Arbeitsweise ist positiv aufgefallen oder das Projekt überdurchschnittlich gut organisiert? Dann warte am besten nicht mit dem Lob. Wertschätzung sollte möglichst zeitnah gegeben werden. Je öfter das passiert, desto mehr Vertrauen fassen Mitarbeitende, dass Führungskräfte ihre Arbeit sehen, auch wenn es mal nicht kommuniziert wird. Verzögerte Wertschätzung kann ausserdem den Eindruck von fehlender Authentizität erwecken. Die sofortige Wertschätzung ist übrigens etwas, dass auch unter Kolleg:innen gepflegt werden sollte und für eine tolle Unternehmenskultur sorgt. Aber Führungskräfte sollten diese Werte vorleben.

Regelmässige Wertschätzung
Wie oft ist Mitarbeitenden-Wertschätzung nötig, damit sie das Wohlbefinden der Arbeitnehmenden wirklich nachhaltig beeinflusst? Studien zeigen, dass regelmässige Wertschätzung in Form von kleinen Gesten und Gesprächen am Arbeitsplatz viel wirkungsvoller ist als seltene grosse Belohnungen oder rauschende Anerkennungszeremonien einmal im Jahr (Lyubomirsky & King, 2005). Denn der positive Effekt ebbt nach recht kurzer Zeit ab.

Diese regelmässige Mitarbeitenden-Wertschätzung ist ausserdem häufig weniger leistungsfokussiert als die sofortige Anerkennung. Hier geht es vor allem darum, Mitarbeitende während langen Projekten oder schwierigen Aufgaben zu motivieren und zu vermitteln, dass man ihre Arbeit und ihren Wert auch «hinter den Kulissen» sieht.

Formelle Mitarbeitenden-Wertschätzung
Zwar ist die Wertschätzung in möglichst kurzen Zeit-Intervallen am wirkungsvollsten, um Mitarbeitende konstant zu motivieren. Doch auch seltenere, formelle Feedbackgespräche sind wichtig, ganz allgemein und zum Ausdruck von Mitarbeitenden-Wertschätzung. Hier können Arbeitgebende, Manager:innen und Teamleitende zeigen, dass sie sich wirklich Gedanken über Mitarbeitende als machen und sich mit ihnen als Individuum befassen.

Woran machen Mitarbeitende Wertschätzung fest?

Wertschätzung ist ein sehr breites Konzept. In der Forschung hat sich herauskristallisiert, dass Mitarbeitende ein Unternehmen vor allem dann als wertschätzend empfinden, wenn sie dort Respekt, Chancen und Selbstwirksamkeit erfahren. Je nach Veranlagung und individuellen Bedürfnissen liegt der Fokus je Mitarbeiter:in auf einem dieser «pragmatischen Handlungsfelder» (Döring-Katerkamp & Rohrmeier, 2016), was zeigt, wie persönlich und subjektiv die Empfindung von Wertschätzung ist. Hier eine kurze Erläuterung zu diesen Faktoren der Mitarbeitenden-Wertschätzung:

Respekt
Für viele Mitarbeitende bedeutet Wertschätzung, ernst genommen zu werden. In einer respektvollen Umgebung können eigene Sichtweisen, Fragen und Themen jederzeit und ohne Angst hervorgebracht werden. Zum respektvollen und somit wertschätzenden Umgang mit Mitarbeitenden gehört es auch, Ziele gemeinsam zu besprechen. Zielvorgaben ohne die betroffene Person festzulegen, zeugt von wenig Vertrauen und Wertschätzung.

Chancen
Wir alle haben den Drang nach Selbstverwirklichung am Arbeitsplatz. Gib deinen Mitarbeitenden also möglichst die Chance und den Raum, sich in ihren Interessensfeldern auszutoben und ihre Kompetenzen auszuweiten – ob in Form von Weiterbildungen, dem Vertrauen, dass sie neue Herausforderungen ohne Micro-Management meistern können oder der Zeit fürs Selbststudium. Auf lange Sicht profitiert dein Unternehmen davon!

Selbstwirksamkeit
Mitarbeitende, die die Möglichkeit zur Selbstwirksamkeit als Wertschätzung empfinden, wollen sich als kompetent im eigenen Handeln erfahren. Das passiert, wenn eigene Vorstellungen in die Realität umgesetzt werden können. Wenn du das Glück hast, Mitarbeitende mit Tatendrang und Eigeninitiative zu beschäftigen, solltest du ihnen auch ein offenes Ohr für neue Ideen schenken und sie bei guten Ideen unterstützen.

Übrigens: Da wir alle unterschiedliche Formen der Wertschätzung bevorzugen, ist es für Führungskräfte wichtig, ihre Mitarbeitenden gut zu kennen. Wer ist extravertiert und bekommt gerne einen Schulterklopfer in geselliger Runde, wer bevorzugt ein vertrautes Gespräch unter vier Augen? Schon allein um das herauszufinden, lohnen sich Betriebsausflüge, gemeinsame Mittagspausen und Unternehmungen ausserhalb der Arbeit.

Wie sollte Wertschätzung gezeigt werden?

Wichtig ist natürlich vor allem, dass der Mitarbeitenden-Wertschätzung überhaupt Ausdruck verliehen wird. Darüber hinaus gibt es jedoch noch einige Dinge, auf die man beim Kommunizieren von Wertschätzung gegenüber Mitarbeitenden achten sollte. Authentizität ist ein wichtiger Faktor. Ist Wertschätzung nicht authentisch, wird sie als falsch wahrgenommen und verfehlt ihre Wirkung. Authentische Mitarbeitenden-Wertschätzung ist individuell, präzise und emotional (Mai, 2021):

«Authentische Mitarbeitenden-Wertschätzung ist individuell, präzise und emotional» (Mai, 2021)

Individuell
Weiter oben sind wir bereits darauf eingegangen, wie subjektiv die Empfindung von Wertschätzung sein kann. Ein kurzes Anstossen auf der Weihnachtsfeier mit einem «Danke an alle für die tolle Arbeit» ist zwar schön und stärkt das Gemeinschaftsgefühl, wird dem Bedarf nach individuell gestalteter Wertschätzung jedoch nicht gerecht.

Sorge also am besten dafür, dass die betroffenen Personen bei deinen Worten und Gesten das Gefühl bekommen: «Diese Wertschätzung ist ganz klar an mich persönlich gerichtet».

Präzise
Vor allem Mitarbeitende, die allgemein wenig Selbstwertgefühl haben, sehen Wertschätzung gerne als «freundliche Geste», die ihre Vorgesetzte bzw. ihren Vorgesetzten sympathischer macht, können die Anerkennung aber oft nicht nachvollziehen. Spezifische Situationen und Beispiele können die anerkennenden Worte untermauern und glaubwürdiger machen. So kann die Wertschätzung der Mitarbeiterin oder des Mitarbeiters auch wirklich die gewollte, nachhaltige Wirkung entfalten. Das ist vor allem wichtig, wenn es sich nicht um eine sofortige, sondern eine formelle Wertschätzung in Form eines Feedback-Gesprächs o. Ä. handelt.

Emotional
Mit emotional ist nicht gemeint, dass man sich in die Arme fallen muss. Die Wertschätzung sollte jedoch von Herzen kommen, es dürfen hier ruhig auch informellere Sätze fallen. Wichtig ist auch, dass die Anerkennung auf Augenhöhe stattfindet und nicht als ein Kopf-Tätscheln von oben herab wahrgenommen wird. Die Person ist einfach unersetzbar mit ihrem Ideenreichtum? Dann kannst du das auch einfach so sagen.

So kann Wertschätzung aussehen:

Hier ein paar ganz konkrete Tipps, wie wirkungsvolle Wertschätzung im Arbeitsalltag aussehen kann (Mai, 2021):

  • Kleine Gesten wie ein Lächeln, ein Zunicken, ein Schulterklopfen oder eine neugierige Rückfrage sind ein guter Anfang. Und mit diesen kleinen Ausdrücken der Mitarbeitenden-Wertschätzung reisst sich wirklich niemand ein Bein aus.

  • Dankbarkeit! Nur weil «Bitte» und «Danke» nicht ausreichen, um eine wertschätzende Unternehmenskultur zu schaffen, heisst es nicht, dass sie nicht notwendig sind. Führungskräfte sollten vorleben, dass «Bitte» und «Danke» eine Selbstverständlichkeit sind.

  • Phrasen wie «meine Tür steht immer offen» bringen wenig, wenn man dann doch keine Zeit für Gespräche hat. Natürlich können alle verstehen, dass Vorgesetzte nicht den ganzen Tag Däumchen drehen. Das wäre ja auch kein super Image. Aber hier sind wir der Meinung: Die Zeit für Mitarbeitende sollte ein Priorität sein.

  • Um Rat zu bitten, ist mit Sicherheit eine der höchsten Formen der Wertschätzung. Hier ist auch den unsichersten Mitarbeitenden klar: Es handelt sich nicht um irgendwelche Plattitüden, Ich werde tatsächlich geschätzt! Führungskräfte, die sich davor scheuen, den Rat von Mitarbeitenden zu erfragen, weil sie das beispielsweise als Zeichen von Schwäche sehen, tun sich damit keinen Gefallen.

  • Auch ein grossartiger Ausdruck von Wertschätzung ist das frühzeitige und unaufgeforderte Erkennen von Bedürfnissen oder Schwierigkeiten. «Mir ist aufgefallen, dass Sie gerade sehr ausgelastet sind mit den Projekten und ich bedanke mich, dass Sie das gerade so gut managen. Wir versuchen, sobald wie möglich Unterstützung zu finden». Wenige Sätze können zeigen, dass Sie aufmerksam sind und den Wert der Mitarbeitenden zu schätzen wissen und deren Bedürfnisse sehen, selbst wenn sie sich nicht beschweren. Nicht für jedes Bedürfnis kann direkt eine Lösung gefunden werden, doch es geht hier in erster Linie um die Aufmerksamkeit und die Mitarbeitenden-Wertschätzung.

Strukturelle Massnahmen

Bisher wurde sich mit der Wertschätzung von einzelnen Mitarbeitenden und ihrer Leistung befasst. Neben der individuellen Mitarbeitenden-Wertschätzung gibt es jedoch eine weitere wichtige Handlungsebene: die strukturellen Massnahmen (Döring-Katerkamp & Rohrmeier, 2016). Darunter fallen alle Massnahmen, die sich pauschal auf alle Mitarbeitenden auswirken, wie zum Beispiel:

  • Die Ausbildung der Führungskräfte: Es reicht natürlich nicht, wenn nur eine Führungskraft oder ein/e Mitarbeiter/in des Unternehmens diesen Beitrag liest und sich intensiver mit dem Thema Mitarbeitenden-Wertschätzung auseinandersetzt. Alle Führungskräfte, Gruppenleitende und Manager:innen sollten in diesem Thema weitergebildet werden. Am besten beschränken sich die Weiterbildungen natürlich nicht nur auf die Führungsebene, da auch die regelmässige Wertschätzung unter Team-Mitgliedern für die Unternehmenskultur wichtig ist.

  • Vergütungen und allgemeine Benefits: Wie oben bereits beschrieben, sind diese Massnahmen nach wie vor ein wichtiger Bestandteil der Mitarbeitenden-Wertschätzung. Für qualifizierte Mitarbeitende sind eine angemessene Bezahlung und entsprechende Benefits mittlerweile häufig eine Selbstverständlichkeit.

  • Alle Massnahmen rund um Gender- und Diversity-Themen: Auch die richtige Mischung an unterschiedlichen Persönlichkeiten und Arbeitsweisen ist der Nährboden für eine Unternehmenskultur, in der Individuen für ihre Unterschiede gesehen und wertgeschätzt werden können.

  • Mitspracherecht: Regelmässige Team-Meetings, eine (authentische!) «offene-Tür-Politik» und offene Feedback-Tools sind gute Ansätze, damit alle Stimmen gehört werden können.

Fazit

Mitarbeitenden-Wertschätzung ist berechtigterweise zu einem wichtigen Schlagwort für Unternehmen geworden und gilt als extrem wirkungsvolle Massnahme, um Mitarbeitende ans Unternehmen zu binden, die Produktivität zu steigern und die Mitarbeitenden-Zufriedenheit aufrechtzuerhalten. Voraussetzung ist jedoch, dass es sich bei der Anerkennung nicht nur um die Belohnung von konkreten Leistungen, sondern auch um die Wertschätzung von Mitarbeitenden als Personen geht.

Wichtig ist ausserdem, dass Mitarbeitenden-Wertschätzung extrem unterschiedlich wahrgenommen wird. Für manche Arbeitnehmende steht die respektvolle Kommunikation im Vordergrund, andere wiederum fühlen sich wertgeschätzt, wenn sie eigene Ideen umsetzen dürfen.

Weisst du, ob und wann sich Mitarbeitende in deinem Unternehmen wertgeschätzt fühlen und welche Form der Wertschätzung sie bevorzugen? Falls du dir unsicher bist oder du Wertschätzung noch stärker in deinem Unternehmen verankern willst, lohnen sich vermutlich Mitarbeitenden-Umfragen und individuelle Feedback-Gespräche mit deinen Mitarbeitenden und Kolleg:innen! Keine schlechte Idee? Unser digitales Umfrage-Tool Pulse erlaubt und fördert offenes Feedback, sowohl auf Team als auch auf persönlicher Ebene. Es ist somit eine tolle Plattform für Mitarbeitenden-Wertschätzung – schau es dir mal an!

Quellen

Busold, M. (2019). War for Talents – Erfolgsfaktoren im Kampf um die Besten.
Döring-Katerkamp, U. & Rohrmeier, D. (2016). Wertschätzungs-Index Deutschland. Abgerufen von: https://www.s-hochschule.de/fileadmin/user_upload/Dateien/Forschungsberichte/Finaler_Bericht_Wertschaetzungs-Index_Deutschland.pdf

EY Jobstudie (2019). Motivation, Zufriedenheit und Work-Life-Balance. Abgerufen von: file:///C:/Users/Waldhirsch%20User/Downloads/ey-jobstudie-zufriedenheit-work-life-balance-2019%20(6).pdf

Mai, J. (2021). Wertschätzung : Mehr als Belohnung und Lob. In: Karrierebibel. Abgerufen von: https://karrierebibel.de/wertschaetzung/

Lyubomirsky, S. & King, L. (2005). The Benefits of Frequent Positive Affect: Does Happiness Lead to Success ? In: Psychological Bulletin. Abgerufen von: https://www.apa.org/pubs/journals/releases/bul-1316803.pdf

Qualtrics. Wertschätzung der Mitarbeiter: Definition, Formen, Dos & Don’ts. Abgerufen von: https://www.qualtrics.com/de/erlebnismanagement/mitarbeiter/mitarbeiterwertschatzung/

Rochus Mummert (2016). Studie: Gelebte Wertschätzungskultur erhöht signifikant die Zufriedenheit bei neuen Mitarbeitern. Abgerufen von: https://www.pressebox.de/inaktiv/rochus-mummert-beteiligungs-und-dienstleistungs-gmbh/Studie-Gelebte-Wertschaetzungskultur-erhoeht-signifikant-die-Zufriedenheit-bei-neuen-Mitarbeitern/boxid/828801

Schlipat, H. & Martin, M. (2018): Was eine gute Wertschätzungskultur ausmacht. Abgerufen von: https://www.haufe.de/personal/hr-management/unternehmenskultur-was-eine-gute-wertschaetzungskultur-ausmacht_80_396974.html

Weber, S. Führungskultur. Anerkennung und Wertschätzung von Mitarbeitern. Abgerufen von: https://www.akademie-weber.de/wissen/mitarbeiter-anerkennen.html

Wolter, U. (2019). Gallup Engagement Index 2019: Jeder sechste Mitarbeiter hat innerlich gekündigt. Abgerufen von: https://www.personalwirtschaft.de/fuehrung/artikel/deutsche-arbeitnehmer-bemaengeln-fehlende-unterstuetzung-bei-digitaler-weiterbildung.html