Mitarbeiterin reflektiert ihre Arbeit

Von Karin Hilzinger | 2 Minuten Lesezeit

Bei Creaholic sind wir überzeugt, dass man mit der passenden Geisteshaltung aus jeder Erfahrung etwas Wertvolles lernen kann. Eigentlich hätte ich letzte Woche für diesen Blog einen ganz anderen Text schreiben sollen, aber die nervenaufreibende Präsidentschaftswahl hat mich ziemlich abgelenkt. Das Geplante blieb ungeschrieben, aber gelernt habe ich in meinem Medienmarathon einiges. Und nicht nur über die Geographie und das komplexe Wahlsystem der USA.

Wertschätzendes Feedback wirkt – bei Gebenden, bei Empfangenden und sogar bei Zuhörenden

Ich war beeindruckt von der Art, wie die Star-Präsentatoren eines Fernsehsenders sich bei den Leuten «im Feld» jeweils für ihren Beitrag bedankten. Meist erwähnten sie dabei ausdrücklich die Leistung, die ihre Kolleg·innen erbracht hatten.
Sie sagten zum Beispiel Dinge wie «Danke, Maria, das war ausgezeichnete Recherche-Arbeit, das hilft unseren Zuschauern zu verstehen, weshalb xy …». Oder: «Danke, Robert, es muss recht anstrengend sein, stundenlang dort zu stehen um sicherzustellen, dass xy passiert/nicht passiert». Bei derartigem Feedback fühlt man als Empfangende, dass die Feedback-Gebenden tatsächlich wissen, was man tut und leistet. Man fühlt sich als Person wahrgenommen, statt als Rolle oder Funktion. Ausserdem erinnert es uns daran, was wir zum grösseren Ganzen beitragen. Feedback-Gebende werden dafür mit engagierten und motivierten Mitarbeitenden belohnt.

Führen bedeutet vorleben

Wer in seinem Unternehmen oder seinem Team eine bestimmte Kultur und die dazugehörigen Verhaltensweisen wünscht, der tut gut daran, diese Qualitäten in seinen eigenen Aktionen und Interaktionen vorzuleben.

Ich persönlich finde es nicht sehr elegant, seine Mitarbeitenden aufgrund der Krise zu Wochenendarbeit zu verdonnern, selbst dann aber Golf spielen zu gehen. Es kann sein, dass man selbst für diesen dringlichen Job nicht geeignet ist, weil einem dazu die Qualifikationen fehlen und der eigene Wertbeitrag vor Ort deshalb gering wäre. Es wäre aber das Mindeste, Präsenz zu markieren und Sandwiches vorbeizubringen, zumindest bildlich gesprochen.

Personas nutzen ist gut – eigene Hypothesen mit der Zielgruppe validieren ist besser

Segmentierungen und Personas sind grossartige Hilfsmittel, um uns daran zu erinnern, für wen wir eigentlich arbeiten. Aber es sind auch stumpfe Werkzeuge: oft werden dabei sehr unterschiedliche Menschen und Verhaltensweisen unter einem schicken Titel in einen recht zufällig gestalteten Topf geworfen. Das verleitet zur Annahme, dass man dadurch weiss, was die gesamte Gruppe denkt und fühlt.

Die Demokraten dachten beispielsweise, dass Latinos quasi automatisch für sie stimmen würden; als Reaktion auf die Haltung des amtierenden Präsidenten zu Einwanderung oder Minderheiten. Deshalb wurde es wohl nicht für nötig befunden, diese Zielgruppe spezifisch anzugehen. Im Nachhinein sieht es aber so aus, dass sich ein Teil der Latino-Wählenden segment-konform verhalten hat, andere aber nicht. Vielleicht war es jenen Menschen einfach wichtig, von jemandem mit Macht und Einfluss wahrgenommen, aufgesucht und angehört zu werden? In einigen Bundesstaaten machten die Republikaner diesbezüglich einen besseren Job und das wirkte sich auf die Wahlresultate aus.
Fazit: es ist prima, Ideen zu entwickeln mithilfe von Personas oder Segmentierungen. An einem bestimmten Punkt sollte man aber Feedback von der Zielgruppe selbst einholen, um sicherzustellen, dass man auf dem richtigen Weg ist.

Illustration mit einem Brief im offenen Couvert

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